Ein Rennbericht von Vytas Huth
War das ein herrlicher März-Samstag um beim Schweriner Seentrail einmal um den Innensee zu laufen! Ich hatte vor, Wettkampferfahrung für den Rennsteiglauf zu sammeln, für Matze (Matthias Weippert) sollte es ein schneller Long Run in Vorbereitung auf den Hamburg Marathon werden. Da wir wussten, dass die letztjährige Siegerzeit von 2:18 h gut machbar sein würde, schielten wir natürlich auch auf eine gute Platzierung und starteten in der ersten Reihe. Was wohl heute gehen würde?
10, 9, …2, 1, los ging’s, und prompt setzten sich die Vorjahressieger Robin Zehner und Markus Damm aus Thüringen und Sachsen an die Spitze um zu zeigen, dass sie willens waren, das Tempo zu kontrollieren. ‚Alles klar, das wird schnell heute‘, dachte ich, doch bei zügiger Pace zwischen 3:40 und 3:50 min/km reihten sich Robin und Markus nach dem ersten Kilometer zunächst hinter uns im Windschatten ein. Da wir wussten, dass bis Raben Steinfeld (ca. 10 km) der Wind größtenteils von vorne kommen würde, fingen Matze und ich an zu taktieren, machten die erste Reihe auf und teilten uns die Führungsarbeit, ließen uns zurückfallen, rannten vor, so dass ich mich schließlich irgendwann alleine in Führung befand und der Rest der Spitze 10-20 m hinter mir im Wind lief. Die Chance ließ sich Matze nicht entgehen und so schloss er zusammen mit Janek Holtz zu mir auf, während Robin und Markus selbst im Wind laufen mussten.
Nach ca. 9 km merkte ich, dass Matzes Tempo doch etwas zu zügig für mich war. Ich beschloss, mein eigenes Tempo zu gehen, da nun der Wind kein Problem mehr darstellen und es auf den Uferweg am malerischen Ostufer gehen würde. So lief ich zunächst mit Janek weiter, während Matze seinen Vorsprung langsam auf eine knappe Minute ausbauen konnte und ab km 15 außer Sicht war, während Robin und Markus ca. 20-25 s hinter mir warteten. ‚Ok, Matze holt sich heute das Ding‘, dachte ich, so easy sahen die ersten 15 km in unter 57 min bei ihm aus.
Aber dann kam das Ostufer zwischen Görslow und Leezen, ein z.T. unwegsamer Trail mit umgestürzten Bäumen, abschüssigen Wegen, Wurzeln, Steinen, auf und ab und nassen, moorigen Abschnitten. Hier war nicht mehr alleine Ausdauer gefragt, sondern Trittsicherheit, Geschicklichkeit und Kraft. Ich versuchte, so ökonomisch wie möglich durch diesen Abschnitt zu kommen, was dazu führte, dass Janek ebenfalls nach vorne verschwand und Robin und Markus am Ende des 3 km langen Abschnitts zu mir aufschließen konnten. Als wir am zweiten Versorgungspunkt vorbeiliefen, konnte man wieder etwas weiter schauen und tatsächlich war Matze wieder nähergekommen; was war passiert? Wie ich im Ziel erfuhr, ist er kurz zuvor auf einem Stein hart umgeknickt, lief jedoch angeschlagen weiter.
Robin und Markus erkannten anhand der Abstände nun ihre Chance; besonders Robin legte jetzt kurz vor der Halbmarathonmarke einen anderen Gang ein und war noch vor Rampe (ca. 22 km) bis auf den zweiten Platz vorgelaufen. ‚Saustark‘, dachte ich, ob er tatsächlich zu Matze vorlaufen würde? Aber natürlich hatte sich auch Matze umgesehen und auf den asphaltierten Radwegen konnte er nochmal zwischen 3:30er und 3:40er Pace anschlagen. Ab km 24, kurz vor Frankenhorst, waren er und Robin dann endgültig außer Sichtweite, während Janek und Markus ca. 30 s vor mir liefen. Die Beine waren jetzt ordentlich müde und es ging nach Frankenhorst noch einmal auf sehr crossige Abschnitte auf denen jetzt Teilnehmende des 17 km Trail4Fun Laufes überholt werden mussten. Dadurch blieb es aber kurzweilig und tatsächlich tauchte Janek dann wieder vor mir auf, den ich bei km 29 wieder einfangen konnte. Seine Beine waren wohl jetzt noch müder als meine! Wieder vierter! Ob doch noch was gehen würde?
Die letzten 3 km waren dann wieder asphaltiert und es ging nur noch um den Ziegelsee. Markus war außer Sicht und am Westufer des Ziegelinnensees hörte man dann schon den Zielbereich, dessen Geräuschkulisse vom Ostwind über den See getragen wurde. Als es für mich auf die letzten 1,5 km ging wurde es plötzlich richtig laut über den See, das musste der Sieger der kleinen Seenrunde sein! Wer wohl gewonnen hatte?
Kurze Zeit später war ich dann im Ziel, Markus doch nur 150 m vor mir, aber dafür hätte ich deutlich früher beißen müssen und das war irgendwie nicht drin. Im Ziel dann die Info: Zielsprint! Und Matze hat das Ding geholt! Robin war offensichtlich nach Frankenhorst sogar an Matze vorbeigegangen, Matze konnte sich auf dem Asphaltstück jedoch wieder heransaugen. Die beiden sind den letzten km in 3:20 min gelaufen, die letzten 300 m in brutaler 2:45er Pace! Und Matze mit angeschlagenem Knöchel! Was für ein Finish! Was für ein Rennen! Wie gerne hätte ich die letzten km auch noch live miterlebt!
Hut ab an Robin, Markus und Janek, für so ein spannendes und abwechslungsreiches Rennen auf den ersten fünf Plätzen. Das hat richtig Spaß gemacht! Und Gratulation an das Orga-Team vom Schweriner Seentrail für so eine klasse Veranstaltung.
Außerdem shout out an die weiteren Fikos Jörn Krafzig auf den 61 km der großen Seenrunde (6:24:11h, 60. ges.), sowie Franziska Alfen (3:19:05h, 15. ges.), Ronny Herrmann (4:00:42h, 168. ges.), Thomas Harms (4:04:43h, 173. ges.) und Roland Pöschmann (4:10:35h, 178. ges.) auf den 33 km der kleinen Seenrunde.
Und natürlich ganz wichtig: Gute Besserung an Matze, der dieses Wahnsinnsrennen mit seiner Verletzung teuer erkauft hat. Daumen für Hamburg sind gedrückt!